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Dirk Bavendamm (* 20. Mai 1938 in Dresden) ist ein deutscher Historiker, Journalist, Buchautor und Übersetzer.


Leben


Bavendamm ist Sohn des Botanikers Werner Bavendamm. Er wuchs nach der Flucht seiner Familie aus der SBZ in Reinbek bei Hamburg auf, wo er 1958 das Abitur ablegte.


Studium und erste journalistische Tätigkeit


Er studierte in Hamburg und Berlin Rechts-, Literatur- und Geschichtswissenschaften und wurde 1967 bei Gerhard Oestreich mit der Dissertation Von der Revolution zur Reform. Die Verfassungspolitik des Hamburger Senats 1849/50 zum Dr. phil. promoviert.[1]

Bereits als Student war er neben Henning von Löwis einer der regelmäßigen Autoren der NDR-Sendung „Politik für junge Leute“.


Arbeit als Print- und Rundfunkjournalist, Buchautor


Er war Redakteur der Wochenzeitung Die Zeit (1967–1969), Redakteur und Korrespondent der Tageszeitung Die Welt (1969–1972) und Korrespondent der Süddeutschen Zeitung (1972–1977). Daneben schrieb er weiterhin Hörfunk- und Fernsehsendungen für NDR und WDR. Seit 1980 ist er freiberuflich tätig. Bis heute schrieb, übersetzte und betreute Bavendamm etwa zwei Dutzend Bücher in den Bereichen Unternehmens- und Zeitgeschichte. Zu seinen unternehmensgeschichtlichen Auftraggebern zählten der Bertelsmann-Konzern, das Handelsunternehmen C. Woermann, die Würth-Gruppe, Oetker und RWE Dea.


Historische Buchveröffentlichungen


Bavendamm erarbeitete auch eine Geschichte seiner Heimatstadt Reinbek sowie, gemeinsam mit der Redaktion, einige Jahrgangschroniken des Dortmunder Chronik-Verlages. 1983 und 1993 veröffentlichte Bavendamm zwei umfangreiche Studien über den US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt. Darin legt er den politischen und persönlichen Werdegang Roosevelts dar und konzentriert sich dabei vor allem auf dessen Politik im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges. Das erste Buch wurde, obwohl als revisionistisch charakterisiert, zum Teil noch positiv aufgenommen.[2] Das Buch Roosevelts Krieg 1937–45 und das Rätsel von Pearl Harbour wurde von Kritikern als geschichtsrevisionistisch und als Verdrehung der Wirklichkeit gekennzeichnet, da Bavendamm Roosevelt darin eine maßgebliche Mitverantwortung am Beginn des Zweiten Weltkrieges zuweist und gleichzeitig Adolf Hitler von der Verantwortung für die Entstehung des Zweiten Weltkriegs zu entlasten versucht.[3][4]

Von 1988 bis 1997 leitete Bavendamm das Bismarck’sche Archiv in Friedrichsruh bis zu dessen Umgründung in eine Bundesstiftung, die heute Otto-von-Bismarck-Stiftung heißt. Von 2002 bis 2004 war er Geschäftsführer der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft in Hamburg.[5]


Mitwirkung am Buch „1835–1985 – 150 Jahre Bertelsmann“


1985 erschien ein von Bertelsmann herausgegebenes Jubiläumsbuch mit Beiträgen von sieben angesehenen Wissenschaftlern und anderen Autoren wie Walter Kempowski und Kurt Biedenkopf, die Bavendamm redaktionell koordinierte.[6] Die Autoren stützten sich auf von Bertelsmann zur Verfügung gestellte Materialien. Das Buch enthielt auch ein Kapitel zur Unternehmensgeschichte (Autor Walter Kempowski), das Bertelsmann als „Widerstandsverlag“ darstellte, obwohl das Unternehmen mit der Herausgabe von Wehrmachts- und NS-Literatur gute Geschäfte gemacht hatte.[7]

Ende der 1990er Jahre, als der Bertelsmann-Medienkonzern die US-amerikanische Buchverlagsgruppe Random House übernehmen wollte, in der traditionell viele jüdische Autoren veröffentlichen, mehrten sich vor allem in der US-Öffentlichkeit Zweifel an der These des Widerstandsverlags im Dritten Reich. Vor allem der Soziologe Hersch Fischler trat 1998[8] dieser Behauptung entgegen und kritisierte dabei sowohl Reinhard Mohn, damals Aufsichtsratschef der Bertelsmann AG, als auch Bavendamm scharf.[9] Unmittelbarer Anlass der Kritik war eine Ehrung der Bertelsmann-Stiftung durch die Anti-Defamation League im Herbst 1999 in Atlanta. Schon Ende 1998 hatte Bertelsmann eine Unabhängige Historische Kommission unter Vorsitz des Historikers Saul Friedländer berufen. Die Kommission lehnte eine Mitwirkung Bavendamms ab, denn dieser habe „nicht die Art von Zeitgeschichte geleistet, die wir machen müssen“.[10] Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete im Januar 2000 nach der ersten Pressekonferenz der Kommission, dass die Rolle des Bertelsmann-Verlages im Dritten Reich als „Hitlers bester Lieferant“ tatsächlich neu bewertet werden müsse.[11]


Hinwendung zum Rechtsextremismus


In den 1990er Jahren begann Bavendamm, sich dem Rechtsextremismus zuzuwenden. Er hielt vermehrt Vorträge bei entsprechenden Vereinen und Instituten, darunter der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt, der Gesellschaft für freie Publizistik und der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft. Seine zwei jüngsten Bücher erschienen beim Ares-Verlag und dem Druffel & Vowinckel Verlag und damit zwei einschlägigen Verlagen. Der AfD-Politiker Stefan Scheil schrieb das Vorwort zu seinem jüngsten Buch Amerikas Griff nach der Weltmacht.[12]


Familie


Bavendamm lebt in Reinbek bei Hamburg. Er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Seine Tochter Gundula ist Direktorin der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Von 2010 bis 2016 leitete sie das Alliiertenmuseum Berlin, in dem ihr Vater während ihrer Amtszeit ehrenamtlich die historischen Akten der Alliierten Kommandantur durchging und ein Register erstellte.[12] Sein Schwiegersohn ist der Militärhistoriker Sönke Neitzel.


Werke von Dirk Bavendamm



Monografien



Bearbeitungen / Kleinere Beiträge



Übersetzungen



Literatur





Einzelnachweise


  1. Verbundkatalog von GBV und SWB.
  2. Karl-Heinz Schmick: Rez. Dirk Bavendamm, Roosevelts Weg zum Krieg. Amerikanische Politik 1914–1939. In: Politische Vierteljahresschrift, Juni 1986, S. 57 f.
  3. Manfred Görtemaker: Eine deutsche Kriegsschuldlüge? Bavendamm will Roosevelt für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich machen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. März 1994 (schätzt die Arbeit zwar als interessant, aber sachlich unsauber ein).
  4. Nolte mortale — Wie ein amerikanischer Präsident dazu herhalten muß, Hitler von der Kriegsschuld zu entlasten. Bernd Greiner. In: Die Zeit, 3. Dezember 1993.
  5. Aus dem Leben der Gesellschaft 2002. in der Mitgliederzeitschrift SWG Deutschland-Journal.
  6. Bertelsmann (Hrsg.): 1835–1985 – 150 Jahre Bertelsmann: Die Geschichte des Verlagsunternehmens in Texten, Bildern und Dokumenten. C. Bertelsmann, München 1985.
  7. Christian Mensch: Die Legende vom Widerstand. In: Die Weltwoche, Nr. 46/2002. Eine Korrektur der Verlagsgeschichte dann bei Bertelsmann im Dritten Reich. Bericht von Saul Friedländer, Norbert Frei und Trutz Rendtorff. C. Bertelsmann, München 2002, ISBN 3-570-00713-8.
  8. Die Weltwoche, Ausgabe vom 29. Oktober 1998.
  9. Etwa bei Hersch Fischler, John Friedman: Bertelsmann’s Revisionist. In: The Nation, 8. November 1999 (englisch).
  10. Thomas Schuler: Die Mohns. Vom Provinzbuchhändler zum Weltkonzern. Die Familie hinter Bertelsmann, Campus, Frankfurt 2004, ISBN 3593403730, S. 226.
  11. Erwähnung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18. Januar 2000 in Günter Frech: Der Bewußtseinsriese (Memento vom 22. Dezember 2005 im Internet Archive)
  12. Peter Laudenbach: „Wenn das heute Irritationen auslöst, tut es mir leid“, sueddeutsche.de 10. Februar 2021.
  13. Beurteilung des Autors und seines Buches durch den Publizisten Hersch Fischler in The Nation, 21. Oktober 1999, unter dem Titel Bertelsmanns Revisionist. (Einschätzung des Buches als revisionistische Geschichtsschreibung, da Roosevelt für den Ausbruch des WWII verantwortlich gemacht wird).
Personendaten
NAME Bavendamm, Dirk
KURZBESCHREIBUNG deutscher Historiker und Publizist
GEBURTSDATUM 20. Mai 1938
GEBURTSORT Dresden



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