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Zelig Hirsch Kalmanovitch (geboren 1885 in Goldingen, Russisches Kaiserreich; gestorben 1943 im KZ Vaivara, Estland) war ein lettischer, jüdischer Philologe und Übersetzer. Er war einer der bedeutendsten Jiddisten des 20. Jahrhunderts.


Leben


Zelig Kalmanovitch war ein Sohn von Feibush und Ester Kalmanovitch. Er studierte Judaistik und Philologie in Berlin (1902–1905) und Königsberg(1909–1910)[1] und wurde 1919 in St. Petersburg in Linguistik promoviert.[2] Seit 1905 arbeitete er als Übersetzer und arbeitete für den Verlag von Boris Kletskin in Wilna und St. Petersburg. Er gehörte der jiddischen Kultur Lige (dt.: Kultur-Liga) an, die im April 1918 in Kiew gegründet worden war, um länderübergreifend die jiddische Sprache und die jiddische Kultur zu erforschen und zu fördern.[3] Er heiratete Rebecca (Rivka) Luria (1898–1943), sie hatten einen Sohn. Sie flohen aus dem kommunistischen Russland und hielten sich in Lettland, in Litauen und für eine Zeit in Berlin auf. In Kaunas gab er die jiddische Tageszeitung לעצטע נייעס (Letzte Nejes, dt.: Neueste Nachrichten) heraus. 1929 zog er ins seinerzeit polnische Wilna, wo er bei Max Weinreich Mitdirektor des Yidisher Visnshaftlekher Institut (YIVO) wurde und die Institutszeitschrift Yivo bleter herausgab.[2] Bei der zweiten Weltkonferenz des YIVO 1935 verteidigten Weinreich und Kalmanovitch ihre rein wissenschaftliche Ausrichtung des Instituts und wurden für ihre Ignoranz des in Europa grassierenden politischen Antisemitismus kritisiert.

Wilna wurde 1939 durch den Hitler-Stalin-Pakt in den Staat Litauen inkorporiert, der wiederum 1940 Teil der Sowjetunion wurde. 1941 wurde Wilna von den Deutschen erobert. Während Weinreich in die USA geflohen war, hatte Kalmanovitch ausgeharrt und wurde 1941 im Ghetto Wilna inhaftiert. Zusammen mit dem Bibliothekar Herman Kruk wurde er von den Deutschen gezwungen, jüdische Folianten nach ihrem wissenschaftlichen Wert zu sortieren, die dann vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg nach Deutschland verbracht wurden. Kalmanovitch schrieb im Wilnaer Ghetto ein Tagebuch in hebräischer Sprache, das von Abraham Sutzkever entdeckt wurde.

Bei Auflösung des Wilnaer Ghetto 1943 wurde er in das KZ Vaivara deportiert, wo er an den Haftbedingungen starb. Rivka Kalmanovitch wurde 1943 in Ponary ermordet. Ihr Sohn, der jiddische Philologe Shalom Lurie (1920–2011)[4] war als Jugendlicher 1938 nach Palästina emigriert.[1]


Schriften (Auswahl)


Tagebuch
Übersetzungen ins Jiddische

Literatur





Einzelnachweise


  1. Lucy S. Dawidowicz: From That Place And Time. A Memoir, 1938–1947. New York: W. W. Norton, 1989
  2. Samuel D. Kassow: YIVO. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK), Band 6: Ta – Z. J.B. Metzler, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-476-02506-7, S. 479–485, hier S. 481 und S. 483.
  3. Gennady Estraikh: Art. Sprachkonferenz. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK), Bd. 5: Pr – Sy. J.B. Metzler, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-476-02500-5, S. 557–560, hier S. 559–560.
  4. Shalom Lurie, bei BNF
Personendaten
NAME Kalmanovitch, Zelig
ALTERNATIVNAMEN Kalmanovich, Zelig Hirsch
KURZBESCHREIBUNG lettischer jüdischer Philologe und Übersetzer
GEBURTSDATUM 1885
GEBURTSORT Kuldīga
STERBEDATUM 1943
STERBEORT KZ Vaivara

На других языках


- [de] Zelig Kalmanovitch

[en] Zelig Kalmanovich

Zelig Hirsch Kalmanovich (Latvian: Zēligs Hiršs Kalmanovičs) (1885–1944) was a Litvak Jewish philologist, translator, historian, and community archivist of the early 20th century. He was a renowned scholar of Yiddish. In 1929 he settled in Vilnius where he became an early director of YIVO.

[ru] Калманович, Зелик Файвушевич

Зелик-Гирш Файвушевич Калманович (идиш ‏זעליק קאַלמאַנאָװיטש‏‎[3][4], лит. Zelikas Kalmanovičius[5]; 30 октября 1881[6], Гольдинген, Курляндская губерния, Российская империя — 1944, около Нарвы, генеральный округ Эстония, рейхскомиссариат Остланд, Германия) — еврейский историк, переводчик, филолог, архивист, исследователь языка идиш, один из первых директоров Еврейского научного института (сегодня — YIVO). Один из авторов аналитической записки о нееврейском происхождении караимов, которую он предоставил для немецких оккупационных властей в 1941 году[7].



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